17. November 2022 Interview mit ifesca: Energiemanagement mit KI

Cle­mens Rosen­bauer, Andreas Reu­ter und Sebas­tian Rit­ter grün­de­ten 2016 das Start-up ifesca. Das Ilmen­auer Unter­neh­men ent­wi­ckelt mit­hilfe von künst­li­cher Intel­li­genz eine Soft­ware zur Pro­gnose von Ener­gie­da­ten. Zu den Kun­den zäh­len Ener­gie­händ­ler, Netz­be­trei­ber, aber auch Unter­neh­men aus der Indus­trie. Wir spre­chen mit Sebas­tian Ritter.

Wie sind Sie auf die Idee zur Grün­dung von ifesca gekommen?

Ich habe an der TU Ilmenau Inge­nieur­in­for­ma­tik stu­diert und bin als stu­den­ti­sche Hilfs­kraft zum loka­len Fraun­ho­fer Insti­tut gekom­men. Dort hatte ich meine ers­ten Berüh­rungs­punkte mit dem Thema „Ener­gie“ und wie man sinn­voll damit umgeht. Nach mei­ner Diplom­ar­beit bin ich im Fraun­ho­fer Insti­tut geblie­ben und habe mich in einer Arbeits­gruppe mit den The­men Res­sour­cen- und Ener­gie­ma­nage­ment beschäf­tigt. Der Schwer­punkt lag auf der Vor­her­sage und Opti­mie­rung von Ener­gie­da­ten. Das habe ich 14 Jahre gemacht und dabei auch meine Mit­grün­der Cle­mens Rosen­bauer und Andreas Reu­ter kennengelernt.

Sebas­tian Rit­ter – CEO der ifesca GmbH

Wie ging es los?

Wir woll­ten uns mit unse­rer Geschäfts­idee selbst­stän­dig machen. Wir haben sprich­wört­lich auf der grü­nen Wiese ange­fan­gen, um unsere Soft­ware mit der neu­es­ten Tech­no­lo­gie auf­zu­bauen. Wir haben jede Zeile Quell­code neu geschrie­ben, was man dem Pro­dukt heute auch anmerkt. Wir haben Kun­den, die brau­chen rund 50.000 Berech­nun­gen pro Tag. Dafür muss unsere Soft­ware sehr gut per­for­men. Aber gleich­zei­tig muss das Sys­tem auch effi­zi­ent pro­gram­miert sein, da wir die benö­tig­ten Res­sour­cen im Rechen­zen­trum auch bezah­len müs­sen. Das kann unser Pro­dukt leisten.

Das haben wir in der Anfangs­zeit mit einem Team aus acht Leu­ten begon­nen. Es ging darum, die Idee ein Jahr lang zu finan­zie­ren, um einen ers­ten Pro­to­ty­pen zu entwickeln.

Wie konnte die bm|t dabei unterstützen?

Wir haben unsere Idee bei der bm|t gepitcht und in einer ers­ten Seed-Finan­zie­rungs­runde rund 800.000 Euro erhal­ten. Damit war unser ers­tes Jahr finan­ziert. Man muss dazu sagen, dass wir bis dahin nur die Idee hat­ten – noch kei­nen Pro­to­ty­pen. Aber wir hat­ten in unse­rer Invest­ment­ma­na­ge­rin Cor­ne­lia Böse eine Frau an unse­rer Seite, die an uns geglaubt hat.

Wie funk­tio­niert der Algorithmus?

Es ist ein Ping-Pong-Spiel der ver­schie­dens­ten Sys­teme. Über digi­tale Schnitt­stel­len wer­den uns die Daten über­mit­telt. Im Falle eines Direkt­ver­mark­ters erhal­ten wir zum Bei­spiel die Mes­sung der Strom­erzeu­gung der letz­ten Vier­tel­stunde. Dazu holen wir uns die aktu­el­len Wet­ter­da­ten und wei­tere Infor­ma­tio­nen. Das wird digi­tal ver­ar­bei­tet, sodass unser Kunde in den nächs­ten Sekun­den die aktu­elle Vor­her­sage bekommt.

Wie sehen die Invest­ment­run­den nach der Start­fi­nan­zie­rung aus?

Gemein­sam mit der bm|t wer­den Mei­len­steine gesetzt, die man errei­chen muss. Wir brauch­ten auch erste Beta­kun­den für die Soft­ware, um eine Anschluss­fi­nan­zie­rung zu erhal­ten. Die bm|t steigt außer­dem mit einem Co-Invest­ment ein, sodass es wei­tere Inves­to­ren oder auch pri­va­tes Kapi­tal benö­tigt. Auch bei die­ser Suche wur­den wir von unse­rer Invest­ment­ma­na­ge­rin Cor­ne­lia Böse unter­stützt. Sie hat viel Aus­dauer bewie­sen. Bei so einem Start-up geht es ja auch immer mal hoch und run­ter. Wir sind inzwi­schen im sechs­ten Jahr unse­rer Grün­dung, was nicht viele Grün­der erle­ben dür­fen. Das ist beson­ders für uns und daran hat die bm|t einen gro­ßen Anteil. Auch weil wir nam­hafte Inves­to­ren gefun­den haben. Inzwi­schen haben wir rund 15 Mil­lio­nen Euro Invest­ment­ka­pi­tal eingesammelt.

Was wür­den Sie Start-ups raten, die sich für die Zusam­men­ar­beit mit Investor*innen interessieren?

Wir haben Inves­to­ren, die unsere Stra­te­gie unter­stüt­zen und dem Manage­ment ver­trauen. Die­ses Ver­trau­ens­ver­hält­nis ist wich­tig, damit wir wirk­lich frei arbei­ten kön­nen. Wir sind auch mit den Inves­to­ren wei­ter­hin Herr unse­rer Dinge. Es geht eben nicht nur darum, Geld zu beschaf­fen, son­dern auch Lebens­er­fah­rung und Know-how zu akqui­rie­ren. Man muss auf den rich­ti­gen Mix achten.

Vie­len Dank für das Gespräch!

Um immer wie­der neue Erkennt­nisse zu gewin­nen und die Inno­va­ti­ons­kraft von ifesca zu erhal­ten, betreibt das Unter­neh­men eine eigene For­schungs­ab­tei­lung. Woran das Team forscht, erzählt Sebas­tian Rit­ter im #TAB­in­ter­view.