27. Juli 2022 Interview mit Coachwhisperer: Ein Knopf im Ohr

Wer kennt es nicht: kniff­lige Situa­tio­nen, Prü­fun­gen oder Punkt­spiele – wenn man nicht mehr wei­ter weiß, wünscht man sich ein Zurau­nen im Ohr. Der in Thü­rin­gen erfun­dene „Coach­whis­pe­rer“ macht genau das und hilft dem Trai­ner und der Sport­le­rin bei der Kom­mu­ni­ka­tion im Flüsterton.

Die Jenaer Coach­whis­pe­rer GmbH bie­tet das welt­weit erste Live-Kom­mu­ni­ka­ti­ons- und Über­wa­chungs­sys­tem für Trai­ner und Sport­ler, bestehend aus einer inno­va­ti­ven Kom­bi­na­tion aus Hard­ware und Soft­ware, die es Trai­nern ermög­licht, wäh­rend des Live-Trai­nings naht­los mit einer belie­bi­gen Aus­wahl von Spie­lern zu kom­mu­ni­zie­ren und gleich­zei­tig die Vital­funk­tio­nen und Sta­tis­ti­ken der Spie­ler zu über­wa­chen. Auf­grund der hoch­in­no­va­ti­ven trag­ba­ren Sen­so­ren des Unter­neh­mens ist Coach­whis­pe­rer in vie­ler­lei Hin­sicht eine Kom­bi­na­tion aus einem Med-Tech- und Sport-Tech-Unter­neh­men. Coach­whis­pe­rer star­tet in Kürze im euro­päi­schen Fuß­ball, wo die Grün­der über ein her­vor­ra­gen­des Netz­werk ver­fü­gen, und wird sich dann schnell auf andere Sport­ar­ten aus­deh­nen. Auch über­zeu­gende Anwen­dun­gen außer­halb des Sports sind Teil des geplan­ten Wachs­tums in den kom­men­den Jah­ren. bm|t führte diese sie­ben­stel­lige Runde an, die sich auf die Fer­tig­stel­lung der Tech­no­lo­gie der nächs­ten Genera­tion und den ers­ten Markt­ein­tritt konzentrierte.

Wir spra­chen mit dem Erfin­der und CEO Phil­ipp Zacher.

Wie kommt man auf sol­che Idee? 

Ich hatte die Idee damals 2015. Sport war schon immer meine Pas­sion. Ich habe Fuß­ball gespielt, Bas­ket­ball und Sport auf Lehr­amt stu­diert. In allen Rol­len war ich mit bei­den Sei­ten kon­fron­tiert, ob als Spie­ler oder als Trai­ner. Ich war auf der Suche nach einer Tech­nik, mit der man seine Spie­ler ein­fach in Echt­zeit erreicht und damit auch die per­fekte För­de­rung betrei­ben kann. Ich bin auf ein gutes Sys­tem beim Ame­ri­can Foot­ball gesto­ßen. Im Helm ist ein Laut­spre­cher ver­baut. In Deutsch­land haben wir aber kaum Sport­ar­ten mit Helm, erst recht nicht in den Sport­ar­ten, mit denen ich groß gewor­den bin.

Wie wer­den aus Ideen auch Taten?

Nach vie­len Recher­chen und Gesprä­chen war die Tech­nik damals noch nicht aus­ge­reift, und ich hatte noch das Pro­blem, dass ich noch eine zweite Idee für eine Selb­stän­dig­keit hatte. Ich hätte gern das Schul­sys­tem refor­miert (lacht). Den Unter­richt muss man anders gestal­ten, indem man The­men­fel­der lehrt. Dann unter­rich­tet man nicht Bio oder Eng­lisch, son­dern Kli­ma­wan­del. An die­sem Thema behan­delt man Indus­tri­elle Revo­lu­tion und im glei­chem Atem­zug Wirt­schaft, Geschichte und vie­les mehr.

Also Daniel Düsen­trieb oder Melan­chthon. Am Ende hat Ihr tech­ni­scher Erfin­der­geist gewonnen?

Wäh­rend Corona habe ich mich von früh bis spät wei­ter­ge­bil­det, um an dem Thema wei­ter­zu­ar­bei­ten. Kon­zepte muss­ten her. Irgend­wann war ich so weit, zum Jenaer Grün­dungs­ser­vice zu gehen und um struk­tu­rierte Hilfe zu bit­ten. Ich suchte nach Mög­lich­kei­ten, wie ich jetzt star­ten kann und wer einem dabei alles noch hel­fen kann und wie man För­de­run­gen bean­tragt. Letzt­end­lich wurde ich Sti­pen­diat des Thü­rin­ger Exis­t­pro­gramms und erhielt ein Jahr lang Unter­halt und grün­dete in Corona-Zei­ten meine Firma. Das ist wirk­lich nicht ein­fach, mit Kon­takt­be­schrän­kun­gen jeman­den zu tref­fen, Mit­ar­bei­ter zu akqui­rie­ren und die Part­ner zu finden.

Was hat denn letzt­end­lich den Aus­schlag gege­ben, dass es in die tech­ni­sche Rich­tung ging?

Das ist eine sehr, sehr gute Frage, da dass auch ein lan­ger Zwie­spalt war, der mich gehemmt hat.  Alles zu geben und dabei alles auf­zu­ge­ben, hat eine große Trag­weite. Damals hat es auch nie­mand ver­stan­den, weder meine Freunde und erst recht nicht meine Eltern.

Vor allem in die­ser Zeit!

Rich­tig. Sie müs­sen wis­sen, meine Eltern sind beide Päd­ago­gen und sie haben gedacht, ich bin ver­rückt geworden.

Jetzt liegt Ihr Pro­dukt hier auf dem Tisch. Wie wird es wei­ter gehen?

Wir haben gerade ver­schie­dene Test mit ver­schie­de­nen Bun­des­li­gis­ten. Aber nicht nur im Fuß­ball, son­dern auch andere Sport­ar­ten zei­gen Inter­esse. Und im Okto­ber wol­len wir unser Pro­dukt an den Markt brin­gen. Die Nach­frage ist sehr groß. Das haben wir im Juni auf der größ­ten Messe in Deutsch­land, die vom DFL und DFB zum Thema Sportin­no­va­tion orga­ni­siert wird, erlebt. Im Sta­dion von For­tuna Düs­sel­dorf tra­fen wir die High Society des Fuß­balls und spra­chen mit René Adler oder Mario Götze. Es wur­den drei Spiele im Cham­pions-League-Final­ni­veau  orga­ni­siert, und man tes­tete alle mög­li­chen Tech­no­lo­gien in drei Kate­go­rien. Zum einen Broad­cas­ting, also alles was mit Zukunft von Fern­seh­for­ma­ten zu tun hat, zum ande­ren Fan-Manage­ment und als drit­tes Sport­tech­no­lo­gie. Unsere Tech­no­lo­gie wurde aus­pro­biert. Was für eine Ehre.

Und wie fand man Ihren flüs­tern­den Trainer?

Bei die­sem Spiel hat die U19-Mann­schaft von Borus­sia Mön­chen­glad­bach gegen die U23-Aus­wahl vom FC Köln gespielt. Der Trai­ner war Mike Hanke und stand mit Head­set an der Sei­ten­li­nie und hat unsere App mit Trai­nings­mo­du­len und Coach­whis­pe­rer aus­pro­biert. Er war total begeis­tert. Die Begeis­te­rung geht bis über den Teich. Von der NFL, dem Trai­ner des Super­bowl-Gewin­ners John McRay.  Er hat von uns gehört und uns gese­hen und fand es super. Er möchte unser Pro­dukt in den USA nutzen.

Euer Knopf im Ohr, das Heara­ble, ist nicht nur ein Trai­ner, son­dern auch ein Medi­zi­ner. Er kann Kör­per­mes­sun­gen vor­neh­men. Warum ist das bes­ser als eine Smartwatch?

Smart­wat­ches sind nicht in der Lage, in einer hohen Fre­quenz und hoher Qua­li­tät zu lie­fern, da das Hand­ge­lenk kein guter Ort für eine Mes­sung ist. Wir ken­nen es im Win­ter, wenn Hand­ge­lenke und Füße kalt sind. Das ein­zig Gleich­warme ist der Kopf, weil er gut durch­blu­tet ist und da set­zen wir auch mit unse­rer Mes­sung an – im Ohr, aber mit dem sel­ben Ver­fah­ren einer Uhr und zei­gen auf, in wel­cher Belas­tungs­zone sich der Spie­ler befin­det. Blut­rate, Sauer­stoff­sät­ti­gung bis hin zur zukünf­ti­gen Blut­druck­mes­sung, wie eine Man­schette, wer­den durch die Iode und die LED durch den Trai­ner gemes­sen. Dadurch erge­ben sich natür­lich viele Mög­lich­kei­ten weit über den Sport hin­aus, unse­ren Heara­ble zu tragen.

Tut es weh, so einen Knopf im Ohr zu tragen? 

Nein. Er ist auch sehr weich und ver­let­zungs­un­an­fäl­lig. Man muss sich kom­plett von der Vor­stel­lung eines Kopf­hö­rers lösen. Denn mit Kopf­hö­rern bin ich in mei­ner eige­nen Welt und nehme die Umwelt gar nicht mehr hun­dert­pro­zen­tig wahr. Aber im Team­sport muss ich alles mit­be­kom­men kön­nen und der Gleich­ge­wichtsinn sollte nicht gestört sein. Wir haben extra geforscht, wie groß muss unser Coach­whis­pe­rer sein, so dass die Geräu­sche auch von außen nach innen gelangen.

Wir haben dazu noch ein zwei­tes Pro­dukt ent­wi­ckelt, falls einer den Coach­wis­pe­rer nicht tra­gen kann oder soll. Das ist die soge­nannte Sound­weste. Das bedeu­tet der Coach kann mit ein­zel­nen Spie­lern oder dem gesam­ten Team kom­mu­ni­zie­ren. Auf den Schul­ter­blät­tern sind die wasch­ba­ren Laut­spre­cher inte­griert. Man trägt es ein­fach wie in Sport-BH unter sei­nem Trikot.

Wie viel muss man dafür auf den Tisch legen?

Es kommt dar­auf an. Es gibt Lösun­gen, die sind tech­nisch sehr hoch ent­wi­ckelt und damit auch teu­rer. Es lohnt sich außer­dem die Frage, wie viele Per­so­nen damit aus­ge­rüs­tet wer­den sol­len. Man kann auch unse­ren Coach­whis­pe­rer lea­sen oder in Raten zahlen.

Wie groß ist Ihre Unternehmensmannschaft?

Wir waren im Grün­der­team zu dritt. Heute sind wir 23 Mit­ar­bei­ter und es ist eine tolle Mann­schaft. Die Idee trägt uns aller hier. Wir haben viele Sport­fa­na­ti­ker unter uns und man­che sind hier, wegen unse­rer Kul­tur oder der Chance, Erfah­run­gen sam­meln zu kön­nen. Mit Geld wür­den wir die Leute nicht bekommen.

Jena liegt Ihnen am Her­zen. Enga­gie­ren Sie sich?

Unser Team ist über ganz Deutsch­land ver­teilt, aber die meis­ten sind hier vor Ort. Wir sind gerade in neue Büros gezo­gen und unser Spi­rit soll hier auch Platz haben und spür­bar sein. Jena ist unser „place to be“, denn schließ­lich sind wir hier auch gestartet.

Vie­len Dank fürs Gespräch.