24. Februar 2022 Interview mit dem Gründer der Heyfair GmbH: „Schon witzig, nicht in einer Garage zu gründen, sondern in einer alten Herrentoilette“

Robert Hell­mundt und Alex­an­der Döpel haben im Jahr 2017 die Heyfair GmbH gegrün­det. Mit ihren Pro­duk­ten machen die Grün­der Hygiene sicht­bar: Ihr Des­in­fek­ti­ons­mit­tel macht deut­lich, ob man sich kor­rekt die Hände des­in­fi­ziert hat und die Seife zeigt Defi­zite beim Hän­de­wa­schen. Dass dazu mehr nötig ist, als Farbe in ein Des­in­fek­ti­ons­mit­tel oder eine Seife zu geben, lern­ten die zwei Thü­rin­ger schnell. Im Inter­view mit Alex­an­der Döpel spre­chen wir über das Grün­dungs­land Thü­rin­gen und wel­che Inspi­ra­tion für ihn von Ver­an­stal­tun­gen, wie den Inves­tor Days Thü­rin­gen, ausgeht.

Alex­an­der Döpel – CEO und Mit­grün­der der Heyfair GmbH

Wie konnte Sie die bm|t unterstützen?

Wir haben uns früh­zei­tig an das neu­deli gewandt. Die Grün­dungs­werk­statt der Bau­haus-Uni­ver­si­tät Wei­mar hat uns ein umfas­sen­des Netz­werk zur Ver­fü­gung gestellt. So sind wir erst­ma­lig auch mit der bm|t in Kon­takt gekom­men, um von deren Bera­tung und fach­li­cher Exper­tise zu pro­fi­tie­ren. Und die­ser Kon­takt ist auch wäh­rend unse­res Grün­dungs­sti­pen­di­ums nicht abge­ris­sen. Das Netz­werk war da und wir konn­ten immer dar­auf zugrei­fen, was wir auch inten­siv genutzt haben.

Wie wich­tig ist diese Bera­tung für Sie gewesen?

In der Phase vor der Grün­dung und auch wäh­rend der Grün­dung ging es wahn­sin­nig viel um Bera­tungs­leis­tung, die uns wirk­lich enorm gehol­fen hat, ver­schie­dene Mei­len­steine zu errei­chen: Also das Grün­dersti­pen­dium zu bekom­men, aber auch das Start-up grün­den zu kön­nen, denn natür­lich geht es da auch um die Finan­zie­rung und die Frage, wel­che Mög­lich­kei­ten gibt es in Thü­rin­gen, um so ein gro­ßes Pro­jekt ver­wirk­lich zu können.

Wie haben Sie denn die Inves­tor Days Thü­rin­gen in Erinnerung?

Die Inves­tor Days Thü­rin­gen beglei­ten wir schon ziem­lich lange, denn wir waren schon wäh­rend unse­res Stu­di­ums von sol­chen Ver­an­stal­tun­gen begeis­tert. Für uns ist da eine Welt auf­ge­gan­gen, in der wir uns total wie­der­ge­fun­den haben. Unab­hän­gig davon, dass wir spä­ter selbst an den IDT teil­ge­nom­men haben, war es wahn­sin­nig inspi­rie­rend zu sehen, was für ein Spi­rit dort herrscht, wel­che Ideen dort vor­ge­stellt und am Ende auch umge­setzt wer­den. Wir haben die Inves­tor Days also immer wie­der besucht, um auch die Erfah­run­gen von den Grün­dern damals mit­zu­neh­men. Wir haben immer das Gespräch gesucht und woll­ten wis­sen, wel­che Schritte die ande­ren Grün­der gegan­gen sind. Vor wel­chen Pro­ble­men haben sie gestan­den? Wie haben sie die gelöst? Kann die Grün­dung in Thü­rin­gen funk­tio­nie­ren? Denn für uns stand schon die Frage im Raum, ob Thü­rin­gen der rich­tige Stand­ort ist. Und wenn ja, in wel­cher Stadt? Gibt es hier die ent­spre­chende Infra­struk­tur? Fin­det man hier ent­spre­chende Mit­ar­bei­ter? Sol­che Fra­gen konn­ten uns eben unter ande­ren auch auf den Inves­tor Days Thü­rin­gen beant­wor­tet werden.

Wann haben Sie selbst an den IDT teilgenommen?

Als wir 2017 selbst an den Inves­tor Days teil­ge­nom­men haben, war das inspi­rie­rend und eine tolle Erfah­rung. Schluss­end­lich hat uns die Ver­an­stal­tung auch hin­sicht­lich der Finan­zie­rung die ers­ten Wei­chen gestellt.

Warum haben Sie sich denn letzt­end­lich für Thü­rin­gen entschieden?

Wir sind wäh­rend des Stu­di­ums oder der Arbeit als Free­lan­cer gut rum­ge­kom­men. Wir waren in ver­schie­de­nen Bun­des­län­dern und ande­ren Län­dern, was damals auch wirk­lich viel Spaß gemacht hat. Irgend­wann kam aber der Gedanke auf, eine eigene Fami­lie zu grün­den, wes­halb Sess­haf­tig­keit noch­mal eine ganz andere Rolle ein­nimmt. Für uns hat die Hei­mat­ver­bun­den­heit und die Nähe zur Fami­lie dann den Aus­schlag gege­ben, in Thü­rin­gen zu blei­ben. Und auch das Netz­werk, was wir uns wäh­rend des Stu­di­ums und der Grün­dungs­phase auf­ge­baut hat­ten, war haupt­säch­lich thü­rin­gen­weit ver­an­kert. Wir haben uns in Thü­rin­gen wie­der­ge­fun­den und das hat sich gut ange­fühlt. Man kann es nicht anders sagen, es ist ein klei­nes Bun­des­land und es wun­der­bar familiär.

Und wieso fiel die Wahl auf Jena als Unternehmensstandort?

Beim Thema „Che­mie“ ist Jena ein­fach der Stand­ort schlecht­hin. Hier fin­den wir die Men­schen, von denen wir über­zeugt sind, dass sie uns wei­ter­brin­gen. Dort sind aber auch die Absol­ven­ten der Hoch­schule oder Uni­ver­si­tät, die wir brau­chen. Am Beu­ten­berg gab es außer­dem die Mög­lich­keit im Bio­in­stru­men­te­zen­trum Labor­räume anzu­mie­ten. Das ist keine Selbst­ver­ständ­lich­keit, denn wir hat­ten einige Zeit nach pas­sen­den Räum­lich­kei­ten gesucht, die neben Büro­räu­men auch noch über ein kom­plett ein­ge­rich­te­tes Labor ver­fü­gen. Das war ein Sech­ser im Lotto als wir dafür den Zuschlag erhal­ten haben.

Wir kann­ten näm­lich noch ganz ande­ren Zustände aus unse­rer Vor­grün­dungs­phase. Den Pro­to­ty­pen haben wir in pro­vi­so­risch ein­ge­rich­te­ten Labor­räu­men zusam­men­ge­baut. Das war eine alte Her­ren­toi­lette und Umkleide im Kel­ler eines alten Geschäfts­rau­mes. Die Sani­tär­an­la­gen waren nicht mehr drin, es war dun­kel und auch eine Lüf­tungs­an­lage war schon ver­baut. Das war ein­fach per­fekt, denn wir muss­ten am Ende nur noch eine Kabine ein­bauen. Aber es ist eben schon wit­zig, nicht in einer Garage zu grün­den, son­dern in einer alten Her­ren­toi­lette. Und der Ein­zug in die neuen Räum­lich­kei­ten war defi­ni­tiv ein Mei­len­stein. Par­al­lel dazu hat­ten wir damals mit­hilfe der bm|t und pri­va­ter Inves­to­ren auch einen höhe­ren sechs­stel­li­gen Betrag ein­ge­nom­men, sodass wir ab die­sem Zeit­punkt auch wach­sen konn­ten. Wir haben neues Per­so­nal ein­ge­stellt und neue Geräte ange­schafft, die wir letzt­lich für die For­schung und die Pro­dukt­ein­füh­rung im Fol­ge­jahr gebraucht haben. Ohne das wäre es nicht mög­lich gewesen.

Stich­wort „Grün­dungs­land Thü­rin­gen“ – was läuft denn schon gut im Freistaat?

Posi­tiv ist die Grün­dungs­in­fra­struk­tur in Thü­rin­gen. An der Hoch­schule hat­ten wir die Mög­lich­keit, die Grün­der­werk­statt zu besu­chen, die uns immer bera­tend zur Seite stand. Dar­über hin­aus kann man sich bei TAB, STIFT, ThEx, bm|t etc. Bera­tung ein­ho­len, was nicht selbst­ver­ständ­lich ist. Wir hat­ten aber auch Anlauf­stel­len in freien Grün­der­zen­tren, wie zum Bei­spiel der Krea­ti­ve­tage in Wei­mar. Hinzu kom­men viele Preise und Ver­an­stal­tun­gen, die wir in unse­rer Vor­grün­dungs­phase inten­siv genutzt haben. Das sind tolle Events, bei denen man mit ande­ren Grün­dern in Berüh­rung kommt. So erfährt man noch­mal auf eine ganz per­sön­li­che Art, was es bedeu­tet zu gründen.

Das hat irre viel Spaß gemacht und sowas kann auch inspi­rie­ren, in Thü­rin­gen zu grün­den und diese Infra­struk­tur auch selbst wei­ter zu beleben.

Was sehen Sie kritisch?

Was anfangs wahn­sin­nig viel Zeit und Res­sour­cen gekos­tet hat, ist die unfass­bare Büro­kra­tie, mit der wir zu tun hat­ten. Das kann man nicht anders sagen. Gerade der büro­kra­ti­sche Umfang unse­res Sti­pen­di­ums war extrem. Wir sind unglaub­lich dank­bar über diese Mög­lich­keit gewe­sen, aber es war schon ernüchternd,als wir fest­ge­stellt haben, dass bei­nahe die Hälfte der Zeit für Reportings und Nach­weis­pflich­ten drauf­ge­gan­gen ist. Es gibt doch so viel Spiel­raum, aus die­ser Zeit mehr raus­zu­ho­len. Und ich glaube, dass diese Hür­den auch viele vom Grün­den abhält. Das darf nicht passieren.

Vie­len Dank für das Gespräch!

Mehr Infor­ma­tio­nen zu den Mei­len­stei­nen der Grün­dung und wie die Heyfair GmbH mit den Her­aus­for­de­run­gen der Corona-Krise umge­gan­gen ist, lesen Sie im #TAB­in­ter­view.