8. Februar 2022 Interview mit Hans Elstner (rooom AG): Metaverse und 3D-Visualisierungen sind das neue Normal

Hans Elst­ner hat 2016 das Start-up rooom AG gegrün­det. Zuvor hatte er bereits vier Jahre an einer 3D-Platt­form für digi­tale Räu­men gear­bei­tet. Anfang 2020 wollte der gebür­tige Jenen­ser sein Pro­dukt euro­pa­weit auf rund 30 Ver­an­stal­tun­gen, über­wie­gend Möbel­mes­sen und Co., vor­stel­len. Dar­aus wurde Corona-bedingt nichts. Statt Wohn­zim­mer offe­rierte die rooom AG im Sep­tem­ber 2020 der IFA-Ber­lin mit welt­weit rund 200.000 Besu­chern die nöti­gen vir­tu­el­len Räume. Im Inter­view spre­chen wir mit Hans Elst­ner über die Geschwin­dig­keit sei­nes Erfolgs und Erwäh­nun­gen im Forbes-Magazin.

Hans Elstner
Hans Elst­ner: Vor­stand und Grün­der der rooom AG

Wann ging es los mit der rooom AG?

2012 habe ich gemein­sam mit zwei Mit­ar­bei­ten­den mei­ner dama­li­gen Agen­tur begon­nen, an einer Platt­form für 3D-Visua­li­sie­rung zu arbei­ten. Darin steckt ein­fach meine Lei­den­schaft. Unsere Vision war es, alle not­wen­di­gen Kom­po­nen­ten in einem Brow­ser zu bün­deln. Denn man braucht eine Art „Com­pu­ter­spiel-Engine“, aber auch sehr, sehr leis­tungs­fä­hige Hard­ware. Wir hat­ten dann nach fast vier Jah­ren eine Platt­form, die benutz­bar war und stark auf Con­su­mer aus­ge­rich­tet war. Also jeder konnte diese Platt­form nut­zen. Damit haben wir erste Busi­ness­an­gels gewon­nen und im Jahr 2016 eine Akti­en­ge­sell­schaft gegründet.

Wie konn­ten die Inves­tor Days Thü­rin­gen dabei unterstützen?

Erst mal haben wir die Ent­wick­lung fort­ge­setzt und auch mehr Mit­ar­bei­tende dazu geholt. Nach zwei Jah­ren hat­ten wir dann eine tolle Lösung in 3D-Visua­li­sie­rung auf­ge­baut. So sind wir 2018 bei den Inves­tor Days Thü­rin­gen an den Start gegan­gen, um unser Pro­jekt zu pit­chen. Damals waren wir ein ganz klas­si­sches Start-up auf der Suche nach Inves­to­ren. Wir hat­ten eine Vision in einem neu­ar­ti­gen Tech-Bereich, der erst mal noch erschlos­sen wer­den muss. Und im bes­ten Fall auch funktioniert.

Wir sind dort auf der Bühne ange­tre­ten und haben sowohl den Publi­kums- als auch den Jury­preis gewon­nen. Die IDT haben für uns sehr gut funk­tio­niert. Das war für uns sozu­sa­gen der Auf­schlag von wach­sen­dem Inter­esse. Hier haben wir erste span­nende Gesprä­che geführt. Auch mit zukünf­ti­gen Inves­to­ren, wie sich spä­ter her­aus­ge­stellt hat. Denn 2019 haben wir eine Seed-Invest­ment-Runde gemacht und somit das erste Geld ein­ge­sam­melt. Das war ein sehr guter Auf­schlag, um sich weiterzuentwickeln.

Wie ging es nach den IDT weiter?

Wir waren nach einer zwei­ten Seed-Invest­ment-Runde Anfang 2020 sozu­sa­gen „ready-to-go“. Das Pro­dukt war fer­tig, wir woll­ten an den Markt und haben bereits mit ers­ten Kun­den gespro­chen. Und dann kam die Pan­de­mie um die Ecke.

Was hat die Corona-Pan­de­mie mit Ihnen gemacht? 

Das hat uns zunächst aus­ge­bremst, denn viele Kun­den, die unsere Tech­nik zur 3D-Visua­li­sie­rung ihrer Pro­dukte oder für vir­tu­elle Show­rooms ein­set­zen woll­ten, wuss­ten schlag­ar­tig gar nicht wie es wei­ter­geht. Die Unter­neh­men sind ins Home-Office oder in den Lock­down gegan­gen und die Mar­ke­ting­bud­gets waren ein­ge­fro­ren. Da muss­ten wir erst mal über­le­gen, wie es wei­ter­geht. Ursprüng­lich woll­ten wir 2020 euro­pa­weit auf 30 Mes­sen und Ver­an­stal­tun­gen fah­ren, um unser Pro­dukt auf Möbel­mes­sen und Co. zu prä­sen­tie­ren. Aber das fiel alles ins Wasser.

Wie ist es Ihnen gelun­gen, auf die Her­aus­for­de­run­gen der Pan­de­mie zu reagieren?

Wir haben eine Ses­sion, die sich “incredil­abs“ nennt. In die­sem For­mat sit­zen wir zusam­men, um neue Ideen und Kon­zepte zu ent­wi­ckeln. An so einem Abend kam unse­rem Chief Inno­va­tion Offi­cer die Idee, einen gro­ßen Show­room zu bauen, den wir als Mes­se­halle nut­zen. Darin kön­nen sich Fir­men einen digi­ta­len Mes­se­stand mie­ten und ihr Pro­dukt prä­sen­tie­ren. Damit wäre uns und auch dem ein oder ande­ren Unter­neh­men geholfen.

Und was soll ich sagen: Das ist ganz schön ein­ge­schla­gen. Zu die­sem Zeit­punkt gab es die Idee einer vir­tu­el­len Messe in 3D quasi noch nicht. Wir waren die Ers­ten, die sowas plat­ziert haben. Und nach kur­zer Zeit kam die Messe Ber­lin auf uns zu, um sich kon­zep­tio­nell bera­ten zu las­sen. Im Sep­tem­ber 2020 waren wir dann plötz­lich die­je­ni­gen, die die IFA Ber­lin mit welt­weit 200.000 Besu­chern durch­ge­führt haben. Das war eine rie­sen­große Ver­an­stal­tung, zu der wir rund um unsere vir­tu­el­len Show­rooms noch einen gan­zen Kos­mos gebaut haben – mit Chat, mit Live-Strea­ming und vie­len ande­ren Net­wor­king-Funk­tio­nen, die man eben für eine Messe braucht. Und das hat tat­säch­lich wahn­sin­nig gut funktioniert.

Wel­che Türen hat die IFA Ber­lin für Sie geöffnet? 

Anschlie­ßend an die IFA Ber­lin sind viele Fir­men auf uns zuge­kom­men. E.ON Inno­va­tion, DHL und die Deut­sche Tele­kom haben z.B. unsere Lösun­gen gebucht. Ins­ge­samt haben wir rund 100 vir­tu­elle Mes­sen bzw. Show­rooms in die­ser Zeit ver­an­stal­tet. Wir haben also unzäh­lige Kun­den gewon­nen, zu denen wir auch eine engere Kun­den­bin­dung auf­bauen konn­ten. Da geht es nicht mehr nur darum, eine Ver­an­stal­tung zu erset­zen, son­dern auch viele Dinge zu beglei­ten oder Pro­dukte zu visualisieren.

Sie sind auch über die bm|t finan­ziert. Wie kam es dazu?

Die ers­ten Gesprä­che mit der bm|t haben wir auf den Inves­tor Days geführt. Anschlie­ßend ist die bm|t in allen Invest­ment-Run­den dabei gewe­sen, hat uns also auch finan­zi­ell unter­stützt und mitt­ler­weile ist unser Invest­ment Mana­ger Ste­phan Beier auch im Auf­sichts­rat aktiv (siehe auch das Inter­view mit Ste­phan Beier). Dort wird er von mir infla­tio­när kon­sul­tiert, denn ich ver­stehe den Auf­sichts­rat weni­ger als Kon­troll­in­stanz und mehr als Anlauf­stelle, um gemein­sam über Ent­schei­dun­gen nach­zu­den­ken. Von daher ist die bm|t für mich ein wich­ti­ger Spar­rings­part­ner, der mir gehol­fen hat, viele Ent­schei­dun­gen zu tref­fen. Und auch Kevin Ree­der (Anmk. d. Redak­tion: CEO der bm|t) hat unsere Vision von Anfang an ver­stan­den. Und das bereits 2018. Das war zu einer Zeit, als über­haupt noch nicht abseh­bar war, dass Stich­worte wie „Meta­verse“ und 3D-Visua­li­sie­rung heute das „neue Nor­mal“ sind. Die bm|t hat diese Vision über die Jahre mit­ge­tra­gen und uns sogar den ein oder ande­ren poten­zi­el­len Kun­den ver­schafft. Für uns war es dann natür­lich auch eine beson­dere Wert­schät­zung, die Inves­tor Days Thü­rin­gen im Jahr 2020 auf unse­rer Platt­form digi­tal durch­zu­füh­ren. 2018 haben wir noch selbst an den IDT teil­ge­nom­men und zwei Jahre spä­ter sind wir die­je­ni­gen, die das Ganze vir­tu­ell aus­rich­ten. Das ist schon faszinierend.

Was steht denn bei Ihnen in nächs­ter Zeit an?

Es pas­siert eine ganze Menge. Durch den Digi­ta­li­sie­rungs­druck holen die Unter­neh­men auf, was Berei­che wie vir­tu­elle Show­rooms, Pro­dukt­vi­sua­li­sie­rung oder Kon­fi­gu­ra­to­ren im E‑Commerce angeht. Davon pro­fi­tie­ren wir. Wir stel­len uns auch in der Erstel­lung von 3D-Model­len auf Basis von Fotos auf. Da arbei­ten wir der­zeit an Digi­ta­li­sie­rungs­mög­lich­kei­ten durch 3D-Scan. Sol­che Lösun­gen sind bei­spiels­weise für die Möbel­bran­che sehr interessant.

Auch The­men wie Meta­verse und das Web 3.0 kom­men mit gro­ßen Schrit­ten auf uns zu. Die­ses „neue“ Web wird zahl­rei­che drei­di­men­sio­nale Inhalte haben, aber auch via Vir­tual-Rea­lity-Bril­len kon­su­mier­bar sein. Das ist ein gro­ßer Trend. Das For­bes-Maga­zin titelt in die­sem Zusam­men­hang über uns „Demo­cra­ti­zing The Meta­verse: One Vision Of An Acces­si­ble Future For AR, VR, Vir­tual Events, And More.“ Wir sind also die­je­ni­gen, die das Ganze zugäng­lich und erreich­bar machen. Gleich­zei­tig wur­den wir auf eine Liste der 15 viel­ver­spre­chends­ten Meta­verse-Fir­men gesetzt. Das adelt uns.

Wie fühlt sich das an?

Da reibt man sich manch­mal die Augen. Das ist eine wahn­sin­nige Geschwin­dig­keit, mit der wir unter­wegs sind. Die IFA Ber­lin war für uns ein Mei­len­stein, das muss man ganz klar sagen. Und wenn wir zurück­den­ken, dass die IFA erst im Sep­tem­ber 2020 statt­ge­fun­den hat und wir uns dann über­le­gen, was seit­dem alles pas­siert ist. Das ist wirk­lich verrückt.

Was sind Ihre Visio­nen für die Zukunft?

Wenn sich alles so wei­ter­ent­wi­ckelt, dann wol­len wir Markt­füh­rer im 3D-Mar­ke­ting wer­den. Unsere Vision ist, dass die rooom AG die Stan­dard­lö­sung für 3D-Mar­ke­ting anbie­tet. Und so schnell, wie sich diese Bran­che bewegt, wird das wahr­schein­lich nicht erst in zehn oder 20 Jah­ren so weit sein.

Vie­len Dank für das Gespräch!

Das Inter­view wurde von Tina Zim­mer­mann (Thü­rin­ger Auf­bau­bank) geführt.